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BeitragVerfasst: So 7. Jul 2019, 22:40 
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Neoliberalismus ist totalitär“ – Psychologe über Angst und Herrschaft heute. Teil 1

Angst hat „eine überraschend große Präsenz in dem Lebensgefühl unserer Epoche“. Das stellt der Psychologe Rainer Mausfeld in seinem neuen Buch fest. Darin beschäftigt er sich mit den Ursachen dafür und zeigt, wer ein Interesse daran hat. Im Gespräch mit Sputnik hat er das zusammenfassend erklärt.

Angst und Macht sind sehr alte und sehr wirksame Techniken, um eine Gesellschaft zu beherrschen. Darauf hat der Psychologe Rainer Mausfeld im Gespräch mit Sputnik aufmerksam gemacht. Er hat kürzlich sein neues Buch „Angst und Macht – Herrschaftstechniken der Angsterzeugung in kapitalistischen Demokratien“ veröffentlicht.

„Angst ist eine Emotion, ein Affekt, der tief in unser psychisches Gefüge eingreift“, so Mausfeld. „Darüber lässt sich sehr gut manipulieren.“ Kapitalistische Demokratien seien besonders darauf angewiesen, das Spannungsverhältnis zwischen Demokratie und Kapitalismus zu verbergen. Beide sind aus seiner Sicht eigentlich „in ihrem Wesenskern miteinander unvereinbar“, wie er in seinem Buch schreibt.

Das sei die Grundlage für die vielfältigen Manipulationsmechanismen und -aktivitäten in der Geschichte des Kapitalismus. Sie seien mit dem rasanten Aufstieg der Sozialwissenschaften seit Beginn des 20. Jahrhunderts verbunden. Zuerst sei es vor allem um Meinungsmanagement, die traditionelle Propaganda, gegangen. Techniken, Angst zu erzeugen, seien damals nur intuitiv eingesetzt worden. Doch es sei bereits klar gewesen, dass diese Methoden sehr viel wirksamer sind als der Versuch, Meinungen zu manipulieren.

Angst lähmt Widerstand
Mausfeld erklärte dazu im Gespräch, Angsterzeugung beruhe auf einer wichtigen Unterscheidung: „Zwischen Realangst und Binnenangst. Realangst wird durch ein konkretes, äußeres Objekt ausgelöst, zum Beispiel durch einen Hund. Sie kann durch ein angemessenes eigenes Verhalten wie Flucht oder Kampf bewältigt werden.“

Wenn die äußere Gefahr aber nicht bewältigt werden könne, bleibe die Angst in der Person gefangen. Sie werde zur „Binnenangst“ und zehre die psychischen Energien des jeweiligen Menschen auf, weil sie nicht durch eine Handlung bewältigt werden könne. Depression und Apathie seien die Folge. „Das ist die Angst, die man für eine Herrschaftstechnik benötigt.“

Indem Realangst in Binnenangst verwandelt werde, könne gesellschaftlicher Widerstand gelähmt werden, habe bereits 1944 der Politologe Franz Neumann erklärt. Mit dem Aufstieg des Neoliberalismus ab den 1970er Jahren seien diese Herrschaftstechniken gezielt eingesetzt worden, betonte Mausfeld.

Angst trotz Fortschritt
Zu den Folgen gehört für ihn, dass Angst „eine überraschend große Präsenz in dem Lebensgefühl unserer Epoche hat“, wie er im Vorwort seines neuen Buches schreibt. Diese sei aber hinter einer kulturellen Fassade verborgen, „die vor allem durch Konsumismus, Zerstreuung und eine alle Lebensbereiche durchdringende Unterhaltungsindustrie geprägt ist“.

„Eigentlich müssten wir heute die besten Voraussetzungen für ein historisch niedriges Angstniveau haben. Zwei der wirkmächtigsten Bedingungsfaktoren zur Verminderung gesellschaftlicher Ängste, nämlich ein großer alle Lebensbereiche prägender technischer Fortschritt und die Errichtung einer demokratischen Gesellschaftsordnung stehen uns ja im Prinzip hierfür zur Verfügung.“

Doch in den Gesellschaften der hochentwickelten Industriestaaten, die als kapitalistisch gelten, hätten psychische Störungen wie Ängste und Depressionen in den letzten Jahrzehnten massiv zugenommen, so Mausfeld. Das gelte auch für soziologische Erscheinungen wie Abstiegs- und Statusängste besonders in der Mittelschicht.

Neoliberalismus ist antidemokratisch
Ursache sei „eine strukturelle Angsterzeugung durch Erzeugung unsicherer Lebensverhältnisse und unsichere Arbeitsverhältnisse, so dass man seine Zukunft nicht mehr planen kann. Das führt zu einer großen gesellschaftlichen Verunsicherung. Es gibt außerdem ideologische Faktoren, die mit dem Neoliberalismus zusammenhängen, so die angebliche Alternativlosigkeit oder die Ideologie des unternehmerischen Selbst.“

Die gesamte Ideologie der vermeintlichen Leistungsgesellschaft erzeuge massive Versagensängste, stellte der Psychologe fest. Das hat er bereits zuvor in dem Buch „Warum schweigen die Lämmer? Wie Elitendemokratie und Neoliberalismus unsere Gesellschaft und unsere Lebensgrundlagen zerstören“ beschrieben.

„Das neoliberale Projekt ist ein explizit antidemokratisches Projekt“, betonte er. Zwar werde die demokratische Rhetorik aufrechterhalten, aber zugleich die Kluft zu den tatsächlichen kapitalistischen Lebensverhältnissen immer größer. „Deshalb muss der Neoliberalismus immer tiefer in die Angst-Kiste greifen.“ Nur so könne er sich durchsetzen und in der Gesellschaft halten.

Menschen als Selbstausbeuter
Mit dem neoliberalen Projekt seien die traditionellen Angsttechniken perfektioniert worden. Dazu gehört für Mausfeld, was der französische Philosoph Michel Foucault als „Internalisierung der Macht“, bezeichnete. Das heißt, die Beherrschten haben die Macht verinnerlicht und folgen ihr in ihrem Verhalten von allein. So müssen die Herrschenden keinen massiven, brutalen Unterdrückungsapparat mehr einsetzen, um ihre Macht zu sichern.

Foucault habe als einer der Ersten das „neoliberale Selbst“ in den Fokus genommen, sagte der Psychologe. Der Neoliberalismus sei mehr als eine ökonomische Theorie: „Der Neoliberalismus ist in gewisser Weise eine totalitäre Ideologie, die alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens der Konkurrenzlogik, einer ökonomischen Logik, unterwerfen will, bis hinein in das Individuum. Das Individuum soll sich selbst als Ich-AG, als Unternehmer seiner Selbst, an die Marktverhältnisse anpassen und optimieren und einer eigenen Profitmaximierung unterwerfen.“

Wenn die Menschen dabei versagen, müssten sie sich nach der neoliberalen Logik ihr Scheitern selbst zuschreiben, so Mausfeld. Der Mechanismus sorge dafür, dass das eigene Scheitern nicht den Verhältnissen zugeschrieben werden könne – „sondern ich habe das mir selbst zuzuschreiben.“

Angst vor Versagen
Das sei ein „perfider, aber ausgesprochen wirksamer Trick, die gesellschaftlichen Antagonismen (Widersprüche) von außen nach innen zu verlagern“: Die Selbstausbeutung mache die Menschen zu „Sklaven ihrer selbst“, während sie gleichzeitig als „höchste Form von Freiheit“ erscheine – weil es anscheinend keinen Sklavenhalter mehr gebe.

Die Ursache für das Gefühl der Ohnmacht angesichts der gesellschaftlichen Verhältnisse werde nicht mehr bei diesen gesehen, beschrieb der Psychologe einen der Effekte. Die Betroffen kämen zu dem Schluss: „Ich habe es nicht geschafft, mich an diese Verhältnisse entsprechend anzupassen. Also, ich bin immer der Schuldige.“ Eine solche Ideologie erzeuge „in massiver Weise Ängste vor einem Leistungsversagen“.

Bei dieser Angst handele es sich um eine der Binnenängste, da für eine Auseinandersetzung ein reales Gegenüber fehle. Dadurch gerate das betroffene Individuum in eine Schleife: Es werde handlungsunfähig und depressiv, was wieder seine Leistungsfähigkeit einschränke. Das sei als Herrschaftstechnik gewollt, betonte Mausfeld.

Strategie der Spannung
Eines der Instrumente der neoliberalen Ideologie ist die Finanzpolitik. Selbst diese wird in die Mechanismen von Macht und Angst einbezogen. Das zeigt ein Strategiepapier des Bundesfinanzministeriums unter Theo Waigel (CSU) aus dem Jahr 1996: Unter dem Titel „Finanzpolitik 2000“ wurden Sozialabbau und Sparpolitik gepredigt, um „mehr Freiraum für die private Wirtschaft“ zu schaffen. Darin ist auch zu lesen, dass Sparmaßnahmen „politisch noch am leichtesten in einer Phase der wirtschaftlichen Bedrohung durchzusetzen“ seien.

Was da für das Feld der Finanzpolitik beschrieben wurde, erinnert an die „Strategie der Spannung“. Mit dieser wurde besonders in Italien in den 1970er und 1980er Jahren ein Klima der Verunsicherung und Angst geschaffen – mit Hilfe von gesteuerten, vermeintlich von Linksextremisten verübten Terroranschlägen. Damit wurde die politische Entwicklung des Nato-Mitgliedes beeinflusst und ein befürchteter Links-Ruck verhindert.

Aus Sicht von Mausfeld handelt es sich dabei nicht einfach nur um geschichtliche Ereignisse: „Das ist auch Gegenwart, denn natürlich werden die Zentren der Macht auf bewährte Herrschaftstechniken in keiner Wiese verzichten. Die ‚Strategie der Spannung‘ war und ist aus ihrer Sicht höchst erfolgreich.“

Verändert habe sich, dass mit Hilfe von Tausenden von Denkfabriken, den Thinktanks, und der Sozialwissenschaften die Methoden der Angsterzeugung gewissermaßen unsichtbar gemacht werden. Die Öffentlichkeit solle die „Strategie der Spannung“ nicht erkennen können, um Empörung und Widerstand zu vermeiden. Strukturell seien die Methoden gleich geblieben, „aber nicht mehr in dieser kruden Form, wie man das damals gemacht hat“.

Professor Rainer Mausfeld
©
https://de.sputniknews.com/politik/20190706325390619-..
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Soziale Ängste sichern Macht – Psychologe über Angst und Herrschaft heute. Teil 2
Herrschende erzeugen gezielt Angst, um ihre Macht auszuüben und zu sichern. Das betrifft inzwischen alle Lebensbereiche, hat der Psychologe Rainer Mausfeld im Sputnik-Gespräch erklärt. Im Teil 2 geht es darum, wie Menschen durch Prekarisierung gezielt in Lethargie gehalten werden. Mausfeld sieht solidarisches Handeln als Alternative.

Angst und Macht sind sehr alte und sehr wirksame Techniken, um eine Gesellschaft zu beherrschen. Darauf hat der Psychologe Rainer Mausfeld im Gespräch mit Sputnik aufmerksam gemacht. Wie diese Mittel heute eingesetzt werden, beschreibt er in seinem neuen Buch „Angst und Macht – Herrschaftstechniken der Angsterzeugung in kapitalistischen Demokratien“.

Darin macht er darauf aufmerksam, dass Angst auch mit Hilfe der Prekarisierung, also des Abbaus sozialer Sicherheit und des Aufbaus eines Niedriglohnsektors, gezielt erzeugt wird. Das hat vor Jahren einer bestätigt, der es wissen muss: Der ehemalige britische Notenbanker Sir Alan Budd.

Er gestand 2003 ein, dass der neoliberale Monetarismus „sehr hilfreich dabei sein kann, die Arbeitslosigkeit zu erhöhen. Und die Erhöhung der Arbeitslosigkeit war mehr als wünschenswert, um die Arbeiterklasse insgesamt zu schwächen. … Hier wurde – in marxistischer Terminologie ausgedrückt – eine Krise des Kapitalismus herbeigeführt, die die industrielle Reservearmee wiederherstellte, und die es den Kapitalisten fortan erlaubte, hohe Profite zu realisieren.“

Gezielte Umverteilung
Diese Prekarisierung ist für den Autor kein „bedauerlicher Nebeneffekt“ ökonomischer Prozesse, sondern „der materielle Boden für eine Umverteilung von unten nach oben“. Gleichzeitig sei sie „ein höchstwirksamer Mechanismus, um Angst und politische Apathie, Gleichgültigkeit zu erzeugen“. Er führe zum sozialen Ausschluss und verhindere gesellschaftliche Teilhabe. „Das heißt, gerade die Gruppen, die ein größtes Interesse an gesellschaftlichen Veränderungen haben sollten, werden dadurch gewissermaßen neutralisiert.“

Die Angst vor dem eigenen sozialen Abstieg und der Armut spielt auch eine Rolle im Zusammenhang mit der sogenannten Flüchtlingskrise. Das sieht Mausfeld mit Blick auf den damit verbundenen Aufstieg rechter und rechtsextremer Kräfte ebenso: Die weiterhin in der Bevölkerung vorhandene Veränderungsenergie würde von den Herrschenden auf Ersatzziele umgelenkt.

„Das Hauptinteresse der Zentren der Macht ist, die Empörungsenergie in der Bevölkerung darf sich nie auf die Zentren der Macht richten. Am besten soll die Bevölkerung nicht einmal mehr wissen, dass es Zentren der Macht gibt. Dafür eignen sich immer, in einer historischen Kontinuität, die sozial Schwachen oder andere Gruppen ohne Interessensvertretung, ohne Lobby. Man versucht, die Veränderungsenergie zu kanalisieren, indem man psychologisch geeignete Blitzableiter, Ersatzziele sucht.“

Jene, die sich über gesellschaftliche Prozesse und Zustände empören, würden keine Adressaten in der Politik für den Wunsch nach Veränderung finden. „Die Macht ist mittlerweile so abstrakt geworden, dass sie nicht mehr wissen, wo die möglichen Ansprechpartner sind. Das heißt, die Veränderungsenergie geht kaum noch nach oben. Sie muss aber irgendwohin gehen, damit wir uns selbst stabilisieren können. Dann liegt es natürlich nahe, sich irgendwelche Ersatzziele zu suchen.“

Ängstliche Eliten
Die Frage, warum das trotz der geschichtlichen Erfahrungen immer noch funktioniert, beantwortete Mausfeld so: Allein das Wissen darum reiche nicht aus, um das Handeln zu ändern, „weil wir im Banne dieser psychologischen Prozesse sind“. Über diese werde in der Regel nicht aufgeklärt, so der Autor.

Warum die Eliten die Demokratie aushebeln – Buchpremiere
Mausfeld beschrieb in seinem vorherigen Buch unter anderem die „Angst der Machteliten vor dem Volk“. Die Eliten würden selbst Angst als Machtinstrument gegen das Volks einsetzen, weil sie in der Minderheit seien.

„Die eigentliche physische Macht liegt eigentlich immer bei der Mehrheit der Bevölkerung. Deshalb müssen die Herrschenden immer raffiniertere Techniken entwickeln, um ihre Machtausübung zu verschleiern, durch Ideologie und Unterhaltung. Sie müssen das Volk solange mit Nichtigkeiten überfluten, bis es sich überhaupt keine Meinung mehr bilden will. Gleichzeitig müssen sie die Techniken immer mehr verfeinern, mit denen sie Angst erzeugen können.“

Mausfeld wies in dem Zusammenhang auf die Asymmetrie, das ungleiche Verhältnis zwischen Herrschenden und Beherrschten hin: „Die Mächtigen verfügen über die entsprechenden Finanzmittel, über mehr als 8.000 Thinktanks, wo sie den Geist und die Intelligenz kaufen können, um diese Dinge zu machen. Sie verfügen über die Medien.“ Diese „gigantische Asymmetrie der Kampfmittel“ gebe den Herrschenden heute eine gewisse Sicherheit vor Umwälzungen oder gar Revolutionen.

Homogene Elite
Aus seiner Sicht ist die politische und ökonomische Elite inzwischen auch so homogen, so vereinheitlicht, dass die früheren inneren Konflikte in dieser sozialen Gruppe „ziemlich reduziert“ seien. „Die Machteliten fühlen sich eigentlich relativ sicher: Das Angstniveau in der Bevölkerung ist gestiegen, aber das Angstniveau in den Zentren der Macht ist relativ gering.“ Allerdings deute manches gegenwärtig daraufhin, dass sich das verändere, meinte der Psychologe.

„Angst ist der Treibstoff des Militärisch-Industriellen Komplexes“, stellte er mit Blick auf die Rüstungspolitik fest. Diese wird gegenwärtig in der Bundesrepublik wie in der Europäischen Union (EU) und in der Nato wieder mit einer angeblichen russischen Gefahr begründet. Der Kapitalismus sei aufgrund seiner Eigenlogik und seiner Krisenhaftigkeit darauf angewiesen, sich permanent auszudehnen.

Mausfeld stimmte dem Münchner Philosophen Elmar Treptow zu, der in einem Buch 2012 schrieb, Kapitalismus bedeute permanente Friedlosigkeit. „Der Krieg gehört wesensmäßig zum Kapitalismus“, so der Psychologie. Deshalb habe sich die Kriegs- und Sicherheitsindustrie als größter und einflussreichster Bereich in der kapitalistischen Gesellschaft herausgebildet.

Angst als Treibstoff der Rüstungsindustrie
Rüstungsindustrie und -politik würden stets dazu führen, dass Gelder von der öffentlichen in die private Hand umverteilt werden – „und zwar in einem gigantischen Ausmaß“. „Krieg ist vor allem ein großes Geschäft, das größte Geschäft der Zivilisationsgeschichte.“

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Es stehe aber die Frage: „Warum sollte in einer Demokratie die Mehrheit der Bevölkerung einer solchen Umverteilung zustimmen?“ Das sei ohne Angst nicht zu erreichen, hob Mausfeld hervor. Der Militärisch-Industrielle Komplex müsse fortwährend Angst produzieren, „um sich selbst am Leben zu erhalten“.

Die dafür eingesetzten Mittel seien vielfältig, von angeblichen irakischen Massenvernichtungswaffen bis zur angeblichen neuen russischen Gefahr aktuell. Der permanente „Krieg gegen den Terror“ der USA mache die gigantische Umverteilung von unten nach oben beispielhaft deutlich. Das sei nur möglich, indem permanent Angst erzeugt werde.

Tiefe Spuren
Der Psychologe und Autor zeigte sich bei der Frage nach Alternativen und Gegenstrategien eher skeptisch: „Das ist ganz schwierig durch die Raffinesse der neoliberalen Ideologie des unternehmerischen Selbst, durch die Prekarisierung. Das hat tiefe Spuren in der Psyche hinterlassen.“ Wenn ein beachtlicher Teil der Gesellschaft keine politische Stimme und keine Möglichkeit habe, sich zu organisieren und nicht mehr medial vertreten werde, entleere das den politischen Raum auf fatale Weise.

Was macht den Deutschen am meisten Angst: Trump, Arbeitslosigkeit oder Russland?
Das führe psychisch bei einem großen Teil der Bevölkerung zu einem Selbstwertverlust und Scham, stellte der Psychologe fest. „Das ist etwas ganz Schlimmes. Selbstwertverlust und Scham verringern auch die Teilhabe an der Gesellschaft.“ Es handele sich um eine Schleife, in welche die Betroffenen geraten und aus der sie kaum herausfinden. Das wiederum führe zu Isolation und Vereinzelung, „so dass Erwachsene selbst mit denen, die in der gleichen Situation sind, nicht mehr sprechen können – was eigentlich solidarisch wäre, wenn sie das täten“.

Diese Spirale spalte die Gesellschaft, isoliere die Einzelnen immer mehr und sei nur „ganz, ganz schwer zu durchbrechen“. Das könne nicht mehr auf der individuellen Ebene erreicht werden, so Mausfeld, der hinzufügte: „Wir dürfen jetzt nicht das machen, was die neoliberale Ideologie fordert: Du musst Dich selbst am Schopf aus dem Sumpf ziehen!“ Das sei aber selbst in emanzipatorischen Bewegungen zu finden, die den Menschen erklären, sie müssten sich erst einmal selbst erkennen und verändern.

Solidarität als Alternative
„Es darf keine Privatisierung auch noch der Utopie geben“, forderte der Autor im Gespräch. Gegen die bewusst erzeugte Angst könne nur solidarisch gekämpft werden, nicht individuell. Mausfeld forderte dazu auf, „in Gemeinschaft über die Ursachen und die Mechanismen“ klarzuwerden, wie die Angst entsteht und erzeugt wird. „Wir müssen darüber sprechen, weil auch das schon wieder eine Möglichkeit ist, da rauszukommen.“

„Gigantische Fehlkonstruktion“: Westliche Demokratie vor dem Untergang?
Aus der Binnenangst müsse wieder eine reale Angst werden, so dass die Energien für die Angstbewältigung und die Veränderung sich wieder auf ein reales Objekt richten können. „Die Befreiung von der politisch gewollten, lähmenden und Lethargie erzeugenden Binnenangst kann uns nur gelingen, wenn wir wieder, solidarisch handelnd, eine Idee einer Gemeinschaft zurückgewinnen.“

Rainer Mausfeld ist Professor an der Universität Kiel und hatte bis zu seiner Emeritierung den Lehrstuhl für Wahrnehmung- und Kognitionsforschung inne. In seinen gesellschaftspolitischen Beiträgen beschäftigt er sich mit der neoliberalen Ideologie, der Umwandlung der Demokratie in einen autoritären Sicherheitsstaat und psychologischen Techniken des Meinungs- und Empörungsmanagements. Mit seinen Vorträgen (u.a. "Wie werden Meinung und Demokratie gesteuert?" und "Die Angst der Machteliten vor dem Volk") erreicht er Hunderttausende von Zuhörern.
https://de.sputniknews.com/gesellschaft ... teil-zwei/

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Bild Bild Bild Bild
Und sollte ich vergessen haben, jemanden zu beschimpfen, dann bitte ich um Verzeihung!
Johannes Brahms


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