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BeitragVerfasst: Mi 29. Jul 2020, 19:29 
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USA: Das Außer-Kontrolle-Geraten des egalitären Rassismus
von Thierry Meyssan
Die Reaktionen auf die Ermordung des schwarzen George Floyd durch einen weißen Polizisten beziehen sich nicht auf die Geschichte der Sklaverei in den Vereinigten Staaten, sondern – ebenso wie die systematische Opposition gegen Präsident Trump – auf ein tief greifendes Problem der angelsächsischen Kultur: den puritanischen Fanatismus. Man muss sich an die innere Gewalt erinnern, die dieses Land während der beiden Bürgerkriege der Unabhängigkeit und der Sezession erschüttert hat, um die aktuellen Ereignisse zu verstehen und ihr Wiederaufleben zu verhindern. Achtung: In den Vereinigten Staaten predigt die politische Klasse jetzt einen egalitären Rassismus. Alle gleich, aber getrennt.

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Es könnte Humor sein, aber leider ist es ein puritanischer Slogan,
der als solcher genommen werden soll: "Schwarze Männer sind eine gefährdete Spezies." (Black Men are an endangered species).


Die angelsächsischen Puritaner
Etwa vierhundert Gläubige der Kirche Englands flohen aus ihrem Land, wo sie als Fanatiker galten. Sie flüchteten nach Leiden (Holland), wo sie nach der calvinistischen Tradition, genauer gesagt, der puritanischen Auslegung des Christentums, leben konnten. Vermutlich auf Wunsch von König Jakob I. schickten sie zwei Gruppen nach Amerika, um dort gegen das spanische Reich zu kämpfen. Die erste Gruppe gründete das, was die Vereinigten Staaten werden sollten, die zweite ging in Mittelamerika verloren.

Später übernahmen die Puritaner die Macht in England mit Lord Cromwell. Sie enthaupteten den päpstlichen König Karl I., gründeten eine egalitäre Republik (Commonwealth) und kolonisierten Irland, indem sie dort massenhaft Katholiken massakrierten. Dieser blutrünstige Versuch war kurzlebig und diskreditierte in den Augen der Engländer für lange Zeit die Idee eines Allgemeinen Interesses (Res Publica).

Die 35 „Pilgerväter“ (Pilgrim fathers) brachen aus Leiden auf, hielten in England an und überquerten dann den Ozean an Bord der Mayflower. Sie kamen 1620 in Nordamerika an, um dort ihre Religion frei auszuüben. Während ihrer Reise unterzeichneten sie einen Bund, in dem sie sich schworen, eine Mustergesellschaft gründen zu wollen (strenge Befolgung des calvinistischen Glaubens und Kultes, intensives Gemeinschaftsleben, unfehlbare soziale und moralische Disziplin). Bei der Gründung der Kolonie Plymouth hatten sie die Hoffnung, das "Neue Jerusalem" aufzubauen, nachdem sie vor dem "Pharao" (James I.) geflohen waren und das "Rote Meer" (den Atlantik) überquert hatten. Nach einem Jahr dankten sie Gott für ihr Epos, mit einem Fest, das jedes Jahr als Erntedankfest Thanksgiving [1] gewürdigt wird . Sie gründeten ihre Hauptstadt 60 Kilometer nördlich in Boston. Ihre Gemeinschaft verschleierte ihre Frauen, praktizierte öffentliche Beichten und körperliche Bestrafung.

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Das Logo der sehr mächtigen Pilgergesellschaft: Der Pilgervater ist neben dem britischen Löwen und dem amerikanischen Adler abgebildet.
Diese Ereignisse sind nicht nur Mythen, die jeder Amerikaner kennen muss, sie prägen das politische System der USA. Acht von 45 Präsidenten (einschließlich der Bushs) sind direkte Nachkommen der 35 "Pilgerväter". Trotz der Ankunft von zig Millionen Einwanderern und dem institutionellen Anschein, blieb ihre Ideologie vier Jahrhunderte lang an der Macht, bis zur Wahl von Donald Trump. Ein sehr geschlossener Club, die Pilgrim‘s Society, vereint unter der Aufsicht des englischen Monarchen sehr hohe britische und amerikanische Persönlichkeiten. Er etablierte die "Besondere Beziehung" (Special Relationship) zwischen London und Washington, und hat Präsident Obama besonders viele Sekretäre und Berater bereitgestellt.

Viele der für den diesjährigen 400. Jahrestag der Mayflower geplanten Zeremonien wurden wegen des Kampfes gegen die Coronavirus-Epidemie abgesagt, darunter die Konferenz, die der ehemalige britische Nationale Sicherheitsberater vor der Pilgrim‘s Society geben sollte. Böse Zungen versichern, dass die Epidemie am Tag nach den US-Präsidentschaftswahlen enden wird, wenn Donald Trump sie verliert, und dass die Feierlichkeiten dann stattfinden können.

Es gibt seit jeher in den Vereinigten Staaten unter den Christen zwei Kulturen, die sich einander gegenüberstehen: die Calvinisten oder Puritaner auf der einen Seite, die Katholiken, Anglikaner und Lutheraner auf der anderen Seite. Wenn auch einige der achthundert US-Kirchen voll auf einer der beiden Seite stehen, werden die meisten von diesen beiden Strömungen beeinflusst, weil der Puritanismus keinen definierten theologischen Korpus hat. Er ist eher eine Art zu denken.

Der Unabhängigkeitskrieg begann 1773 mit der Boston Tea Party (Der The-Aufstand in Boston). Sein erster Aktivist war der Anwalt John Adams, ein weiterer direkter Nachkomme eines der 35 "Pilgrim Fathers" und zweiter Präsident der Vereinigten Staaten. Aber der Ruf nach Unabhängigkeit kam vom politischen Journalisten Thomas Paine auf Grund religiöser Argumente, obwohl er selbst an nichts glaubte.

In gewisser Weise verlängert der Unabhängigkeitskrieg in Amerika Lord Cromwells britischen Bürgerkrieg (die "Große Rebellion"). Dieser Konflikt wird ein drittes Mal mit dem Sezessionskrieg wiederauftauchen, der, wie man sich erinnern sollte, nichts mit Sklaverei zu tun hat (beide Seiten praktizierten diese zu Beginn des Krieges und beide Seiten haben sie während des Krieges aufgegeben, um ehemalige Sklaven in ihre Armeen einzustellen).

Die Puritaner verloren in England mit der Republik von Cromwell, gewannen aber in den Vereinigten Staaten zweimal. Der Historiker Kevin Phillips, Wahlberater des Republikaners Richard Nixon (Nachfahre eines Bruders eines der 35 "Pilgerväter"), hat diesen Konflikt über Jahrhunderte ausführlich untersucht [2]. Auf dieser Grundlage entwickelte er bei den Präsidentschaftswahlen 1968 die Strategie "Recht und Ordnung" gegen den segregationistischen Demokraten George Wallace während der Präsidentschaftswahlen 1968; eine Strategie, die Donald Trump für die Wahlen von 2020 auch aufgegriffen hat.

Das alles, nur um zu sagen, dass der Schein trügerisch ist. Die Trennlinien sind nicht dort, wo der Rest der Welt sie denkt.

- Die Puritaner haben immer die absolute Gleichheit unterstützt, aber nur unter Christen. Sie untersagten den Juden lange Zeit den Zugang zum öffentlichen Dienst und massakrierten die Indianer, die sie angeblich liebten. Während des amerikanischen Bürgerkriegs weiteten sie ihren Egalitarismus auf die Schwarzen aus (im Gegensatz zu den Puritanern des südlichen Afrikas, die die Apartheid bis zum Ende verteidigten), was zu dem trügerischen Mythos eines Krieges gegen die Sklaverei führte. Heute verteidigen sie die Vorstellung, dass die Menschheit in gleiche und wenn möglich getrennte Rassen geteilt sei. Sie weichen immer noch vor dem zurück, was sie interrassische Ehen nennen.
- Die Puritaner stellen die Lüge auf das letzte Ende ihrer Werteskala. Sie kann für sie keine List sein, sondern bleibt das schlimmste Verbrechen, viel schwerer als Diebstahl und Mord. Im 17. Jahrhundert bestraften sie mit der Peitsche jenen, der einen Pastor belog, egal aus welchem Grund. Sie haben Gesetze erlassen, die immer noch die Lüge eines Bundesbeamten bestrafen, egal aus welchem Grund.

Der Evangelismus der USA
Im Laufe der Zeit, insbesondere im 19. Jahrhundert, entstand eine andere Denkströmung innerhalb des amerikanischen Christentums: der Evangelismus. Es sind Christen aller Konfessionen, die versuchen, dem ursprünglichen Christentum, von dem sie nicht viel wissen, näher zu kommen. Sie verlassen sich also auf die heiligen Texte. Wie die Puritaner sind die Evangelisten Fundamentalisten, d.h. sie geben der heiligen Schrift die Rolle eines göttlichen Wortes und interpretieren sie, indem sie jegliche Kontextualisierung der Texte ablehnen. Aber sie sind viel pragmatischer. In allem haben sie eine grundsätzliche Position, aber vor einem gewissen Problem, handeln sie nach ihrem Gewissen und nicht nach den Regeln ihrer Gemeinschaft.

Es ist sehr leicht, die grotesken Überzeugungen gegen die Evolutionstheorie der Evangelisten zu verspotten, aber es spielt kaum eine Rolle und sie geben sie auch auf, wenn es nötig ist. Es ist viel bedeutsamer, aber leider seltener, die puritanische Vision einer Menschheit anzuprangern, die in unterschiedliche, gleiche, aber getrennte Rassen unterteilt ist. Dies hat jedoch täglich schwerwiegende Folgen.

Die Puritaner blieben die Herren der amerikanischen Politik bis 1997, als der zügellose Präsident Bill Clinton per Dekret jeglichen Ausdruck des religiösen Glaubens in föderalen Institutionen verbot. Dies führte zu einer Verlagerung der Religion von der Verwaltung in den privaten Sektor. Alle großen Unternehmen akzeptierten Gebetsgruppen an ihren Arbeitsplätzen. Dieser Wandel war förderlich für das öffentliche Aufkommen der Evangelisten auf Kosten der Puritaner.

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Während der Unruhen vor dem Weißen Haus besuchte Präsident Trump die Episkopale Kirche St. John, um sich als Verteidiger der religiösen Überzeugungen aller Christen angesichts des puritanischen Fanatismus zu präsentieren.
Die Rückkehr des puritanischen Fanatismus
Der Konflikt zwischen den Puritanern und dem Rest der Gesellschaft nimmt nun wieder eine radikale und religiöse Wendung. Er stellt zwei Mentalitäten einander gegenüber, die eine idealistisch, egalitär innerhalb ihrer Gemeinschaft und fanatisch, die andere, manchmal noch extravaganter, die sich Ungleichheiten erlaubt, aber realistisch ist.

Die puritanische Hillary Clinton zögerte nach ihrem Scheitern bei der Präsidentschaftswahl, methodistische Pastorin zu werden [3]. Sie hat viel gesündigt (ihre Affäre mit Vince Foster), wurde von Gott bestraft (die Affäre ihres Mannes mit Monica Lewinsky), hat Reue getätigt (innerhalb der Pentagon-Family [4]) und wurde gerettet. Sie ist sicher, von Gott auserwählt worden zu sein, und ist stolz auf ihre Gewalt gegen nichtchristliche Völker. Sie unterstützt alle Kriege gegen die "Feinde Amerikas" und hofft auf die Wiederkehr Christi.

Donald Trump zeigt im Gegensatz dazu kein Interesse für Theologie, hat nur eine grobe Kenntnis der Bibel und einen einfachen Glauben. Er hat so viel gesündigt wie andere, rühmt sich aber dessen, was er erreicht hat, anstatt seine Fehler in der Öffentlichkeit zu bereuen. Er zweifelt an sich selbst und kompensiert sein Minderwertigkeitsgefühl mit übertriebenem Egoismus. Er liebt es, mit seinen Feinden zu konkurrieren, will sie aber nicht vernichten. Auf jeden Fall verkörpert er den Willen, die Größe seines Landes wiederherzustellen ("Make America Great Again!") anstatt immer und überall Kriege zu führen, was ihn zum Vorkämpfer der Evangelisten gegen die Puritaner macht. Er bietet den Christen die Möglichkeit, sich selbst zu reformieren, anstatt die Welt zu bekehren.

Während des Wahlkampfs 2016 hatte ich die Frage gestellt: "Werden sich die Vereinigten Staaten reformieren oder zerreißen?" [5]. Meiner Ansicht nach, konnte nur Donald Trump den Vereinigten Staaten erlauben, als Nation weiterzumachen, während Hillary Clinton einen Bürgerkrieg und wahrscheinlich die Auflösung des Landes nach dem Vorbild des Endes der UdSSR provozieren würde. Was seit George Floyds Tod passiert ist, zeigt, dass ich mich nicht geirrt habe.

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Hillary Clinton im Wahlkampf 2016.
Die Anhänger von Hillary Clinton und der Demokratischen Partei drücken ihre Ideologie durch. Sie kämpfen gegen die Lügen und zerstören die Statuen, wie ihre puritanischen Vorfahren die Salem-Hexen verbrannten. Sie entwickeln eine absurde Lesart ihrer eigenen Gesellschaft, leugnen soziale Konflikte und interpretieren die Ungleichheiten nur durch sogenannte unterschiedliche menschliche Rassen. Sie entwaffnen die örtliche Polizei und zwingen "weiße" Persönlichkeiten, sich öffentlich für ein unsichtbares Privileg zu entschuldigen.

In der Russland-Affäre lösten die Aussetzung der Anklage gegen den ehemaligen Nationalen Sicherheitsberater, Michael Flynn, und die Begnadigung des ehemaligen Präsidenten-Beraters, Roger Stone, die ihm Donald Trump gewährt hatte, wütende Proteste der Puritaner aus. Doch keiner dieser Männer hat irgendjemanden geschädigt, aber sie hatten gewagt, das FBI zu belügen, um es aus dem Weißen Haus herauszuhalten.

Der Bürgermeister von Minneapolis (die Stadt von George Floyd) wurde in der Öffentlichkeit gedemütigt, weil er sich weigerte, die "rassistische" Stadtpolizei aufzulösen. Inzwischen hat der Stadtrat von Seattle gerade das Budget seiner Stadtpolizei halbiert. Dies stört die in Privatresidenzen lebenden oberen sozialen Schichten nicht, aber beraubt diejenigen der Sicherheit, die nicht genug besitzen, um sich Wachen leisten zu können.

Die Associated Press, dann die New York Times, die Los Angeles Times und bald fast alle US-Medien haben beschlossen, Schwarz (Black) mit einem großen Buchstaben zu schreiben, wenn das Wort die "Rasse" (sic) [6] bezeichnet, aber nicht weiß (white) in der gleichen Anwendung. In der Tat, ist das Schreiben von Weiß (White) mit einem Großbuchstaben ein Markenzeichen weißer Suprematisten [7].

Das Pentagon hat daran gedacht, seine Militärstützpunkte, welche Namen von Vertretern des Südens tragen, denen "Rassismus" vorgeworfen werden kann, umzubenennen; und hat dann eine E-Mail an alle zivilen und militärischen Mitarbeiter des Heeres (US-Armee) geschickt, in der das Pentagon insbesondere die laut ihm verlogene Behauptung, dass es nur eine menschliche Rasse gäbe, als "extrem Rechts" anprangerte. Natürlich haben diese Initiativen eine starke Reaktion bei den Trump-Anhängern unter den Soldaten provoziert und sind auch gescheitert, markieren aber eine sehr gefährliche Eskalation [8].

Das sind alles Entscheidungen, die einen Verlust an kollektiver Rationalität zeigen.

Thierry Meyssan

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Und sollte ich vergessen haben, jemanden zu beschimpfen, dann bitte ich um Verzeihung!
Johannes Brahms


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